Lesung »Deutschland - siehst du das nicht? Ein starkes Signal für die Demokratie«
Vor ausverkauftem Haus präsentierten Roman Knižka und das Bläserquintett Opus 45 am vergangenen Freitag in der Aula der Alfred-Wegener-Schule Kirchhain das Literaturkonzert „Deutschland – siehst du das nicht?“.
Die von der Stadt Kirchhain und dem Heimat- und Geschichtsverein Kirchhain e.V. organisierte Veranstaltung verband Schauspiel, Lesung und Musik zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis, das das Publikum über die gesamte Dauer hinweg fesselte.
Im Mittelpunkt stand der Untergang der Weimarer Republik (1929–1933). Eine Phase, die von wirtschaftlicher Not, politischer Radikalisierung und gesellschaftlicher Zerrissenheit geprägt war. Das Programm beleuchtete diese dramatische Schlussphase der ersten deutschen Demokratie und machte sichtbar, wie schnell demokratische Strukturen ins Wanken geraten können.
Schauspielerische Leistung von Roman Knižka
Roman Knižka prägte den Abend mit einer bemerkenswert intensiven und nuancierten Darstellung. Seine Interpretation der literarischen Texte war präzise, emotional und zugleich von großer Klarheit getragen. Knižka wechselte mühelos zwischen analytischer Schärfe, leiser Ironie und eindringlicher Betroffenheit.
Mit feinem Gespür für Rhythmus und Sprache verlieh er den Worten von Erich Kästner, Mascha Kaléko, Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, aber auch den Tagebuchaufzeichnungen von Viktor Klemperer und Sebastian Haffner eine beeindruckende Lebendigkeit.
Besonders hervorzuheben war seine Fähigkeit, historische Stimmen so zu verkörpern, dass sie unmittelbar und gegenwärtig wirkten.
Knizkas Spiel war getragen von einer ruhigen, konzentrierten Präsenz, die das Publikum unmittelbar erreichte und fesselte.
Musikalische Gestaltung durch Opus 45
Musikalisch wurde das Programm durch Werke von Hanns Eisler, Kurt Weill, Erwin Schulhoff, Paul Juon und Jean Françaix getragen. Ergänzt durch Schlager und Swing der Comedian Harmonists entstand ein authentischer Klangraum der Epoche, der die historischen Texte unterstrich. Das Ensemble Opus 45 mit seinen fünf Musikern überzeugte dabei mit hoher Präzision, Ausdruckskraft und stilistischer Vielfalt.
Resonanz und Bedeutung
Die Veranstaltung wurde vom Publikum mit großer Aufmerksamkeit und nachhaltiger Wirkung aufgenommen. Die Verbindung aus historischer Reflexion, künstlerischer Qualität und aktueller Relevanz machte den Abend zu einem besonderen kulturellen Ereignis in Kirchhain.
Demokratie heute
Das Literaturkonzert war nicht nur ein Blick zurück, sondern ein deutliches Signal für die Gegenwart. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den letzten Jahren der Weimarer Republik zeigte eindringlich, wie verletzlich demokratische Strukturen sind und wie schnell sie unter Druck geraten können, wenn Polarisierung, Extremismus und Verrohung an Einfluss gewinnen.
Der Abend machte klar:
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt vom Engagement, der Wachsamkeit und der Haltung aller Bürgerinnen und Bürger. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen bleibt es entscheidend, ihre Werte zu schützen und aktiv zu verteidigen.
Fotos: Stadt Kirchhain
BU: Bürgermeister Olaf Hausmann, Schulleiter Matthias Bosse und die Vorsitzende des HGV Kerstin Ebert beim Erinnerungsfoto mit Roman Knižka (vorne rechts) und dem Ensemble Opus 45


