Jüdischer Friedhof Ziel eines weiteren Stadtspaziergangs
Die Synagoge in Kirchhain war am 17. Juli Treffpunkt für einen weiteren themen-orientierten Stadtspaziergang. Hierzu konnte Gemeindepflegerin der Stadt Kirchhain Anita Kirschner 11 Teilnehmende begrüßen. Sie nutzte einmal mehr die Gelegenheit, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und verteilte den neuen Flyer „Wir im Quartier- ihre Alltagshelfer/innen“.
Am Jüdischen Friedhof wartete bereits Simone Bader vom Heimat-und Geschichtsverein, die für eine Führung gewonnen werden konnte. Vor der Informationstafel zum Jüdischen Friedhof nutzte sie die Gelegenheit, zunächst generelle Informationen zur Situation der jüdischen Bevölkerung in Kirchhain bis zum Jahre 1938 zu geben. Dabei wurde u.a. nicht nur die zahlenmäßige Entwicklung der jüdischen Familien und ihre berufliche Tätigkeit angesprochen, sondern auch hervorgehoben, dass die Juden ebenfalls Mitglieder in den wichtigsten Vereinen der Stadt waren und auch aktiv am politischen Leben teilgenommen hatten.
Anschließend besuchte man den eigentlichen Friedhof, der im Landkreis nach Marburg der zweitgrößte ist. Der erste Grabstein stammt aus dem Jahr 1743 während das letzte Begräbnis im Jahre 1954 stattgefunden hat (danach fanden die Beisetzungen in Marburg statt). Bevor die jüdische Gemeinde das Wiesengrundstück nördlich der Stadtmauer um 1740 erworben hatte wurden ihre Toten zunächst auf einem Sammelfriedhof in Hatzbach bestattet. Zur endgültigen Schließung kam es am 12.12.1940. Heute wird der Jüdische Friedhof (das Eingangstor ist abgeschlossen) von der Stadt Kirchhain gepflegt.
Bei einem individuellen Rundgang konnten sich die Teilnehmenden selbst ein Bild von den 135 erhaltenen Grabsteinen machen. Dabei ist zu beachten, dass es sehr viel mehr Begräbnisse gegeben hat, sich aber nicht jede Familie einen Grabstein leisten konnte. Vielfach wurden auch Holzmale verwendet, die allerdings mit der Zeit unter der Verwitterung zu leiden hatten. Im Einzelfall wurde auch die Ornamentik auf den in der Regel einfachen Grabsteinen angesprochen und auf typische symbolische Darstellungen verwiesen (u.a. zwei Hände, deren Daumen sich berühren und deren Finger eigentümlich gespreizt sind, Schächtmesser und Widderhorn oder auch eine Wasserschale).
Leider ging die vorhandene Zeit wieder viel zu schnell zu Ende, so dass nur kurz auf besondere Grabsteine hingewiesen werden konnte, die besonderen Personen zuzuordnen sind. Exemplarisch sollen hier der Lehrer Markus Rapp, Hermann Bachenheimer (fiel als Soldat im 1. Weltkrieg) oder auch das Grab des Schriftstellers Elchanan Henle ben Benjamin Wolf Kirchhan (populärstes Werk der älteren jiddischen Literatur) genannt werden.
Für die interessierte Leserschaft wird auf die Bücher „Purim Purim. .(Jüdisches Leben im Landkreis Marburg im 20. Jahrhundert), „Juden in Kirchhain von Kurt Schubert und auf die Broschüre und die neuesten Flyer von den Stolperstein-Verlegungen hingewiesen.
Zum Abschluss der Veranstaltung traf man sich nochmal vor dem „Archiv“, das zum Kirchhainer Skulpturenpfad gehört. Simone Bader erzählte noch Interessantes zur Entstehungsgeschichte des Monumentes.
Foto: Stadt Kirchhain
BU: Erinnerungsfoto im Anschluss an eine interessante Führung zum Jüdischen Leben in Kirchhain


