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Von Mistkäferrennen und selbstgebauten Waldsofas

Kinder der Kindertagesstätte „Im Brand“ Kirchhain erleben Natur mit allen Sinnen

30 Kinder der Kirchhainer Kindertagesstätte „Im Brand“ verbrachten zwei Wochen lang ihre Vormittage im Wald statt in den Räumen der Betreuungseinrichtung – und entdeckten dort die Natur mit allen Sinnen.

Kirchhain. „Mein Mistkäfer ist der schnellste“, jubelt Janne begeistert und zeigt auf den Waldboden. Gemeinsam mit einigen anderen Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte „Im Brand“ verfolgt er aufgeregt jede Bewegung des kleinen Krabblers. Mit dem Finger haben die Kinder eine Startlinie gezogen, ein Stock markiert das Ziel. So einfach kann Spielen im Wald sein.

Zwei Wochen lang trafen sich die Schulanfängerkinder morgens am Waldrand in Anzefahr. Gemeinsam mit den Erzieherinnen ging es dann in den Wald hinein. „Wir machen die Waldwochen schon seit vielen vielen Jahren. Sie sind immer ein Höhepunkt der Kindergartenzeit“, berichtet Erzieherin Rita Wallbott. Die Kinder seien stets begeistert bei der Sache. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie sie den Wald und die Natur entdecken“, ergänzt sie.

So wie Janne. Der kennt den Wald allerdings schon von Opa und Patentante. „Ich kenne mich echt gut aus“, betont er und flitzt davon. Nach dem Mistkäferrennen wollen die Kinder eine Hütte bauen. „Die Stöcke dort können wir nehmen“, sagt der sechsjährige Johannes und zeigt auf Astwerk am Wegesrand. Ruckzuck wird es weggeschleppt und an einer Buche aufgestellt. „Hier ist der Eingang. Das muss offen bleiben“, einigen sich die sieben Jungs und Mädchen, die sich dort zusammen gefunden haben.

In kleinen Gruppen verbringen die insgesamt 30 Kinder täglich 3 Stunden auf ihrer „Waldfläche“. Hütten zu bauen stand für die Fünf- und Sechsjährigen, die nächsten Sommer in die erste Klasse kommen, dort ebenso auf dem Programm, wie ein Waldsofa für die Frühstückspause zu bauen, Blätter und Zapfen zu sammeln, Käfer mit Becherlupen zu untersuchen, Stöcke zu schnitzen und auf kleine Bäume zu klettern. „Am ersten Tag nehmen wir erst mal gar nichts mit in den Wald außer Frühstück“, erklärt Wallbott: „Die Kinder sollen auf eigene Faust den Wald erkunden und feststellen, dass man gar kein Spielzeug oder andere Utensilien braucht, um sich zu beschäftigen.“ Später wird immer wieder anderes Material mitgenommen, unter anderem ein Seil und Augenbinden, um sich einmal blind durch den Wald führen zu lassen. Das soll den Tastsinn und das Vertrauen in andere schulen.

Auch Florian Zilm vom Kirchhainer Forstamt besuchte die Kindertagesstättengruppe für einen Tag. Auf dem Waldsofa, das die Kinder zuvor aus Ästen und Stöcken gebaut hatten, berichtete der  Waldpädagoge und Förster den Kindern von seiner Arbeit, zeigte ausgestopfte Tiere und erläuterte kindgerecht, was der Wald alles zu bieten hat. „Und wie ein Waldkauz macht, hat der Förster uns gezeigt“, berichten Janne und Johannes, legen die Hände vor den Mund und versuchen das Geräusch ebenfalls zu imitieren. Dann widmen sie sich wieder ihrer Hütte. Die ist mittlerweile fertig und wird noch mit Blättern abgedeckt, „damit uns keiner darin entdecken kann“, sagen die stolzen Baumeister. Anschließend wird noch die Waldrutsche getestet. „Hui das staubt aber“, freuen sich die Kinder und rutschen und kullern wieder und wieder auf dem Hosenboden den Erdhügel hinunter. Nach gut drei Stunden heißt es schließlich Sachen einpacken, Käfer freilassen, Rucksäcke aufziehen, Spaten schultern und zurück in die Kindertagesstätte. „Schade“, finden Janne und Johannes: „Im Wald ist es viel toller.“

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